Interview mit Benedikt: Warum habt ihr keine Naturkosmetik-Zertifizierung?

Interview mit Benedikt: Warum habt ihr keine Naturkosmetik-Zertifizierung?

“Warum seid ihr nicht zertifiziert?”

Diese Frage ist für uns ein sehr zentrales Thema! Uns erreicht immer wieder die Frage, warum unsere Produkte keine “zertifizierte Naturkosmetik” sind. Kein Wunder, denn wenn wir auf den Kosmetikmarkt schauen, begegnen wir unfassbar vielen verschiedenen Siegeln.  Wir müssen nur einmal durch die Regale des nächsten Drogeriemarkts schlendern und darauf achten, welche Siegel wir auf den Produkten so finden. Und auch welches Gefühl das bei uns auslöst. Wir können nicht leugnen, dass “zertifizierte Naturkosmetik” erst einmal sehr vertrauenswürdig klingt und uns das sichere Gefühl eines “guten” Produkts gibt. Bei einigen Produkten liegen wir mit dieser Intention auch definitiv richtig, aber wir können auch nicht alle über einen Kamm scheren. Und dazu verleiten die Siegel leider. Können wir uns also wirklich auf sie verlassen? 

Da wir uns gegen diese Art von Zertifizierung entschieden haben, liegt nahe, dass wir auch einige Kritikpunkte haben.

Wir möchten an dieser Stelle aber nicht die Pro- und Contra Punkte der bestehenden Naturkosmetik-Siegel diskutieren und bewerten, sondern euch vielmehr unseren ganzheitlichen Ansatz erklären. Der beginnt damit, dass wir keine Kompromisse machen. Nachhaltigkeit und Natürlichkeit hört für uns nicht bei den Produkten und seinen Inhaltsstoffen auf, sondern erstreckt sich bei uns über die gesamten Lieferkette von der Produktentwicklung bis hin zum Versand.

Aber zurück zur Frage nach der Naturkosmetik-Zertifizierung. Das Thema ist weitaus facettenreicher, als wird das im ersten Moment denken. Denn eine Zertifizierung sagt nicht per se aus, ob es sich um ein “gutes” oder “schlechtes” Produkt handelt. Daher ist es uns wichtig unsere Gedanken und Gründe dahinter offenzulegen. Wir möchten euch transparent informieren und befähigen, eigenständige und fundierte Entscheidungen beim Produktkauf treffen zu können. 

Was ist “zertifizierte Naturkosmetik”?

Dafür möchten wir erst einmal verstehen, was “zertifizierte Naturkosmetik” überhaupt ist und ob sie automatisch vegan und frei von Tierversuchen ist. Mit “Naturkosmetik” bezeichnen Kosmetikfirmen meist Produkte, die nur natürliche Inhaltsstoffe enthalten, welche nicht schädlich für unsere Umwelt und unsere Gesundheit sind. Allerdings sind diese Begriffe nicht rechtlich geschützt, so dass sie jeder für seine Produkte verwenden und auf die Verpackung schreiben kann. Es ist nicht gesetzlich festgelegt. Naturkosmetik ist zudem nicht automatisch vegan und frei von Tierversuchen. Auch zertifizierte Naturkosmetik kann Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs haben. Beispielsweise ist Bienenwachs ein sehr gängiger Inhaltsstoff in diesem Bereich. Hier gibt es noch einmal gesonderte Tierschutz-Siegel, auf die ihr achten könnt, um auch wirklich die Garantie zu haben, dass das Produkt tierversuchsfrei hergestellt wurde.

Und warum genau lassen wir uns nun nicht zertifizieren, wenn wir doch nur natürliche, reine, umweltfreundliche, vegane und tierversuchsfreie Produkte anbieten? Was kritisieren wir an bestehenden Naturkosmetik-Siegeln? 

Benedikt gibt euch die Antworten. 

Ich habe Benedikt eure Fragen gestellt. Übrigens kannst du dir das Interview auch hier als Video auf unserem @Junglück Instagram-Account anschauen.

Also Benedikt, warum haben wir unsere Produkte bisher nicht von einem Naturkosmetik-Siegel zertifizieren lassen? Was kritisieren wir denn an bestehenden Naturkosmetik-Siegeln?

Benedikt: In Deutschland ist der Markt leider sehr intransparent und viele sehr gewinnorientierte Unternehmen, bei denen der nachhaltige Ansatz nicht primär im Vordergrund steht, vergeben Zertifizierungen für ihre Produkte. Für den Konsumenten sind diese Standards oft wenig einsehbar und verständlich und somit nur schwer greifbar.

Die Zertifizierer setzen in manchen Bereichen übrigens deutlich niedrigere Standards als wir sie haben. Um es an einem Beispiel greifbar zu machen: Ein sehr großer Zertifizierer hat einen Mindeststandard von 8 Prozent Bio-Anteil an der Kosmetik. Wir liegen bei unseren Produkten hingegen meistens zwischen 80 Prozent und 90 Prozent. In vielen Zertifizierungen sind beispielsweise Konservierungsmittel zugelassen, die für uns ausgeschlossen sind. Das heißt, im Endeffekt setzen wir größere Standards für unsere Produkte und können zusätzlich auch noch Rohstoffe von sehr kleinen Herstellern einsetzen, die sehr gute Qualität liefern und sehr hochwertige Rohstoffe herstellen, aber sich häufig eine Zertifizierung nicht leisten können. Denn das haben alle Zertifizierungen gemeinsam: Es ist wahnsinnig teuer sich zertifizieren zu lassen. 

Aus diesen Gründen haben wir uns bisher gegen eine Zertifizierung entschieden. Daher sprechen wir bei uns auch von einer reinen, nachhaltigen und natürlichen Pflegeserie.

Was sind unsere eigenen Standards? An welchen Standards orientieren wir uns?

Benedikt: Generell schauen wir uns immer zwei Seiten an: Die Umweltverträglichkeit des Inhaltsstoffs und des Rohstoffs und die Hautverträglichkeit. Das sind für uns Standards, die wir bei der gesamten Produktentwicklung berücksichtigen. Das wird aber häufig in bestimmten Zertifizierungen nicht so stark abgebildet. Darüber hinaus versuchen wir Rohstoffe, die wir in Bio-Qualität bekommen auch in Bio-Qualität zu kaufen. Zusätzlich verzichten wir auf Duftstoffe. 

Als Orientierung, was für uns ein Zertifizierungs-Standard ist, den wir als soweit gut empfinden, können wir Cosmos als Beispiel nennen (internationale Verbrauchergarantie für Bio- und Naturkosmetik). Was für uns aber eher eine Form der transparenten Offenlegung darstellt, ist CodeCheck. Viele kennen vielleicht die App, mit der man Produkte scannen kann und anschließend eine ganz transparente Bewertung bekommt, wie gut die Inhaltsstoffe tatsächlich sind. Das ist für uns ein Standard, an dem wir uns orientieren, da er unserem Anspruch an Ehrlichkeit und Transparenz eher gerecht wird als relativ anonyme Zertifizierungen.

Wie sehen unsere Pläne für die Zukunft aus?

Benedikt: Natürlich wollen wir in diesem Bereich noch besser werden. Das heißt, wir möchten euch noch mehr mitnehmen was diese Themen angeht. In der Zukunft möchten wir bei jedem Produkt den Anteil an natürlichen Inhaltsstoffen ausweisen und ebenso den genauen Anteil an Bio-Inhaltsstoffen. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass es auch auf politischer Ebene so wie wir das aus dem Lebensmittelbereich kennen einen EU-weiten Mindeststandard für Naturkosmetik gibt. Wir möchten, dass ein Naturkosmetik-Siegel auf staatlicher Ebene etabliert wird, damit es für diesen “Zertifizierungs-Wahnsinn”, den es im Naturkosmetik-Bereich gibt, zumindest eine gemeinsame Basis da ist. Das wäre ein großer Wunsch von uns an die Politik! Bisher ist dies leider immer gescheitert.

Und wie können Konsumenten bei so vielen Siegeln den Überblick behalten bzw. beurteilen, welche vertrauenswürdig sind?

Benedikt: Das ist eine absolut berechtigte Frage! Es ist tatsächlich wahnsinnig schwierig da seinen Weg zu finden. Daher war es von Anfang an mein Wunsch zu helfen, die Produkte und die Inhaltsstoffe richtig gut zu verstehen. So dass ihr wirklich selber entscheiden und bewerten könnt, was ein “gutes” Produkt und was ein “schlechtes” Produkt ist und ihr euch nicht auf Siegel verlassen müsst. Sondern vielmehr selbst so gut informiert seid, dass ihr die Entscheidung mit eurem eigenem Wissen treffen könnt.

Wir hoffen sehr, dass nun verständlicher geworden ist, warum wir uns gegen eine Naturkosmetik-Zertifizierung entschieden haben. Sofern noch Fragen offen geblieben sind, schreibt uns gerne! 

Deine Marie