Mikrobiome – die (öko-)systemrelevante Balance deines Körpers

Mikrobiome – die (öko-)systemrelevante Balance deines Körpers

Wir sind alle unser eigenes Ökosystem. Vielleicht ein etwas gruseliger Gedanke, aber in uns und auf uns befinden sich genau so viele Bakterien wie Zellen in unserem Körper. Aber keine Sorge, diese kleinen Helfer sind essentiell, um die Funktionen deines gesamten Körpers am Laufen zu halten. Was genau da auf der Haut und in unserem Inneren passiert, wie du die Balance deines Ökosystems fördern oder wiederherstellen kannst und was der pH-Wert damit zu tun hat, erfährst du hier!

1. Mikrobiom des Darms: bekannte Immun-Unterstützung
2. Mikrobiom der Haut: Bakterien-Power von außen
          Was ist das Mikrobiom der Haut?
          Was hat der pH-Wert mit dem Mikrobiom zu tun?
          Aus dem Gleichgewicht – was tun?
3. 5 Tipps für ausgeglichene Mikrobiome

    1. Mikrobiom des Darms: bekannte Immun-Unterstützung

    Wie wichtig unsere Darmflora, also die dort vorkommenden Bakterienarten, für uns sind, ist mittlerweile recht bekannt. Ein gesunder Darm ist ausschlaggebend für ein gut funktionierendes Immunsystem, da die Abwehrkörper hier den Auftrag bekommen, die Fremdkörper, Viren und bakteriellen Eindringlinge zu bekämpfen. Dafür sind unsere “guten” Darmbakterien verantwortlich. Unter anderem. In ganzheitlichen Ansätzen der Psychologie wird die mentale Behandlung häufig durch einen speziellen Ernährungsplan unterstützt, der die Darmflora aufbaut und stärkt. Warum? Weil der Darm und unser Gehirn mittels Botenstoffen in engem Austausch miteinander stehen. So wurde herausgefunden, dass sich eine Störung der Bakterienkulturen im Darm beispielsweise negativ auf Patienten mit Depressionen auswirkt. Und genau andersherum wirkt sich das mentale Leiden der Patienten auch auf die Gesundheit und Funktionalität der Darmflora aus. Vielleicht hast du schon einmal gehört oder es selbst erlebt, dass Menschen, die an Depressionen oder ähnlichen psychischen Erkrankungen leiden, häufiger krank werden. Das liegt an der gedrosselten Abwehrkraft, weil das Mikrobiom des Darms nicht richtig arbeiten kann. Um diese Dysbalance auszugleichen wird in einem ganzheitlichen Behandlungsansatz ein Ernährungsplan erstellt, der neben weiteren Maßnahmen, wie z. B. dem Verzicht auf Zucker oder einfachen Weizen, die Zufuhr von Pro- und Präbiotischen Bakterien setzt.

    Du merkst also, ein gesunder Darm hält uns und viele wichtige Funktionen unseres Körpers am Laufen! Aber kommen wir nun zu einem weitaus unbekannteren Mikrobiom, das leider viel zu häufig unterschätzt und dem viel zu wenig Aufmerksamkeit und Pflege geschenkt wird. Aber nicht bei uns!

    2. Mikrobiom der Haut: Bakterien-Power von Außen

    Ganz richtig, unser größtes Organ ist sein ganz eigenes Mikrobiom. Bei all dem Wissen, das wir hier schon über die Haut weitergeben konnten, finde ich, ist das nochmal ein spannender neuer Fact! Aber starten wir von vorn:

    Was ist das Mikrobiom der Haut?

    Die Entwicklung des Haut-Mikrobioms beginnt bei unserer Geburt. Egal wie das Baby zur Welt gebracht wird, nimmt es über die Mutter Bakterien auf und legt somit den Grundstein für das eigene Mikrobiom. Von dort an spielen verschiedenste Einflüsse der Umwelt eine Rolle auf die Entwicklung des Hautmikrobioms. Dinge, mit denen das Kleinkind in Berührung kommt, stärken die Hautflora. Übrigens, über den Mund gelangen die Bakterien in den Darm und so wird auch die Darmflora aufgebaut und gestärkt. Also, am besten das Kind seine Umwelt erkunden lassen. Es ist unheimlich wichtig, dass wir in so jungen Jahren möglichst vielseitigen Bakterienarten ausgesetzt werden, damit sich unsere Mikrobiome gut entwickeln können und unser Immunsystem später richtig funktionstüchtig ist. Im Laufe des Lebens spielen auch die geografische Lage, Sonneneinstrahlung, Stress, Ernährung, sportliche Aktivität, Rauchen oder Alkoholkonsum eine Rolle, wenn es um unsere Hautflora geht und wie sie sich entwickelt.

    Tatsächlich wird erst seit ca. 10 Jahren an diesem Mikrobiom geforscht, aber es gibt bereits einige sehr interessante Erkenntnisse. So wurde beispielsweise herausgefunden, dass je nach Körperstelle ein unterschiedlicher Bakterien-Mix vorkommt. Welche Art von Bakterien sich wo am wohlsten fühlt, hängt davon ab, ob die Haut an dieser Stelle fettig, trocken oder feucht ist. Aber egal wo sie sitzen, sie erfüllen enorm wichtige Aufgaben. Sie unterstützen verschiedene Stoffwechselprozesse sowie die Wundheilung und schützen uns davor, dass “böse” Bakterien, Viren und sonstige Eindringlinge über unsere Haut in unseren Körper gelangen und ihr Unwesen treiben können. Das tun sie beispielsweise durch die Produktion von Eiweißen, die für diese Fremdlinge tödlich sind, da sie wie Antibiotika wirken. Der Einfluss unserer guten Bakterien reicht aber auch tiefer bis in die unteren Schichten hinein. Dort befinden sich Immunzellen, die mit Rezeptoren ausgestattet sind und auf Kommando unerwünschte Eindringlinge abwehren. Unsere Hautflora schützt uns so vor Krankheiten und Infektionen wie unsere Darmflora und koordiniert unser Immunsystem.

    Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir kommt meine Haut jetzt noch mehr wie ein Superorgan vor, das mich eben nicht nur zusammenhält und die Sommerbräune auffängt. Ganz schön erstaunlich, was da im mikroskopisch kleinen Rahmen alles abläuft! Aber all das wirft nun die Frage auf: Was passiert denn, wenn das Haut-Mikrobiom gestört ist? Welche Faktoren bringen es überhaupt aus dem Gleichgewicht und wie bekommen wir es wieder in die Balance?

    Was hat der pH-Wert mit dem Mikrobiom zu tun?

    Zunächst einmal müssen wir verstehen, was das Gleichgewicht im Fall der Hautflora überhaupt bedeutet. Hier kommt der pH-Wert ins Spiel. Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass wir den pH-Wert unserer Produkte immer auf der Produktdetailseite abbilden. Für eine funktionierende Hautbarriere und eine gesunde Hautflora ist der pH-Wert entscheidend, denn unsere Bakterien benötigen einen optimalen Wert, um überleben zu können. Dieses Optimum liegt im leicht sauren Bereich von 4,8-5,5. In dieser Umgebung können die Bakterien unseres Mikrobioms ideal die antimikrobiellen Moleküle produzieren, die Angreifer abwehren. Ein Mensch hat aber nicht am gesamten Körper den gleichen pH-Wert. Je nach Alter und Körperstelle variiert er ein wenig. Der Schweiß und Talg aus unseren Drüsen bestimmt den pH-Wert und bildet den Säureschutzmantel der Haut, über den wir hier häufig sprechen. Dieser Säureschutzmantel dient als eine Art Puffer zwischen Keimen und Bakterien, die von außen den pH-Wert der Haut verändern und so die Flora stören wollen. Für die Hautbarriere sind übrigens Ceramide, die ebenfalls bei einem leicht sauren pH-Wert bestmöglich produziert werden, absolut essentiell. Sie sind Bestandteil unserer Hautlipide und helfen dabei, dass unsere Haut dicht hält: Feuchtigkeit wird besser gespeichert und Krankheitserreger haben es noch schwerer hineinzugelangen, selbst wenn sie bereits durch die Front des Säureschutzmantels gebrochen sind.

    Ein stabiler pH-Wert ist also nötig, um die Hautfunktionen intakt zu halten; Immunabwehr zu stärken, den Feuchtigkeitshaushalt stabil zu halten und Körperfunktionen zu unterstützen.

    Aus dem pH-Gleichgewicht – was tun?

    Der pH-Wert ist also quasi die Umweltbedingung unserer Hautflora. Wenn sich diese Bedingung ändert, zu sauer oder zu basisch wird, ist die Hautflora angreifbar und aus dem Gleichgewicht. So kann es dazu kommen, dass eine Dysbalance zwischen unseren guten Bakterien und den krankmachenden Bakterien entsteht. So können Hauterkrankungen und -veränderungen entstehen oder sich verschlechtern. Bei zu wenig eigenen, gesundheitsförderlichen Bakterien haben Keime ein leichtes Spiel sich zu vermehren, Entzündungen und Verletzungen hervorzurufen. Je geringer die Diversität der Bakterien, desto anfälliger ist die Haut.

    Tatsächlich konnten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen bestimmten Hautkrankheiten und dem Auftreten von speziellen Mikroorganismen feststellen:

    Akne: Propionibacterium acnes
    Dieses Probakterium ist häufig an der Entstehung von entzündlicher Akne beteiligt. Hier gilt es diesem Bakterium den Lebensraum zu nehmen, indem die gute Hautflora gestärkt wird, damit die Entzündungsherde eingedämmt werden können.
    Wie? Studien haben gezeigt, dass bestimmte Probiotika, besonders Lactobacillus acidophilus und Bifidobacterium lactis dazu geführt haben, das Erscheinungsbild von Akne zu verbessern. Die Ausbreitung von Akne-Erregern auf der Hautoberfläche wurde verringert und gleichzeitig die Produktion von Ceramiden angekurbelt.

    Rosacea: Mittlerweile ist bekannt, dass eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms mit Rosacea zusammenhängt. Wenn Menschen mit Rosacea gegen diese sogenannte SIBO behandelt werden, verschwindet die Rosacea oftmals sogar ganz.

    Neurodermitis: Staphylococcus aureus
    Durch die hier typischen endogenen Ekzeme, also offene, schuppige Hautstellen, kann es häufig zu einer Überbesiedlung mit Staphylococcus aureus kommen. So kommen zu den offenen Wunden noch Juckreiz und weitere Entzündungen hinzu. Die guten Keime der Hautflora wieder zu vermehren und zu stärken, kann diese Erscheinungen deutlich lindern.
    Wie? Es gibt Behandlungsmethoden, bei denen u.a. Ceramide, Niacinamid oder selenreiches Quellwasser der natürlichen Basispflege zugesetzt werden. Neuere Therapiestrategien versuchen das geschädigte Mikrobiom auf neue Art zu korrigieren. Dabei werden zum Beispiel Kaiserschnitt-Babys mit Vaginalsekret der Mutter eingerieben um damit die Erstbesiedlung der Haut zu fördern. Ob sich dieser Ansatz auf die spätere Entwicklung von hautkrankheiten auswirkt, ist aktuell noch nicht bekannt.

    Psoriasis: antimikrobielle Peptide
    Dadurch, dass das Mikrobiom in ein Ungleichgewicht geraten ist, kommt es bei der Psoriasis zu einem Überangebot an antimikrobiellen Peptiden, die das Immunsystem triggern, sich auf volle Abwehrkraft einzustellen.
    Wie? Bei Immunkrankheiten wie der Psoriasis werden bereits seit Jahren darmreinigende Methoden angewendet, da 80% des Immunsystems eben genau dort sitzt: in unserem Darm. Eine ärztlich angeleitete Darmsanierung, Heilfasten- oder Entgiftungskur unterstützt die äußerliche Behandlung der Haut.

    Seborrhoisches Ekzem: Malassezia-Hefen
    Wenn sich zu viele dieser Hefen auf der Haut ansammeln, kommt es zu gelblich-fettigen Schuppungen. Durch die Stärkung der natürlichen Bakterien der Hautflora, werden diese Hefen aber zurück gedrängt und die Symptome gelindert.
    Wie? Hier helfen bestimmte Arzneimittel, die du von deine*r Hautärzt*in verschrieben bekommst.

    Für genaue Behandlungs- und Therapiemethoden empfehlen wir dir in jedem Fall eine*n Dermatolog*in oder eine*n Hautärzt*in aufzusuchen, um dich eingehend und individuell beraten und untersuchen zu lassen.

    3. 5 Tipps für eine gesunde Hautflora

    Alles schreit also danach das Gleichgewicht des Haut-Mikrobioms zu halten. Hier sind ein paar Tipps, wie wir einen Lebensraum für unsere gesundheitsfördernden Haut-Bakterien schaffen können, damit sie uns ideal unterstützen können:

    1. Nicht “überreinigen”
    Wenn wir uns zu häufig waschen, kann das den pH-Wert des Säureschutzmantels durcheinander bringen. Wie du weiter oben bereits lesen konntest, gilt es das zu vermeiden, damit Keime gar nicht erst die CHance haben, sich niederzulassen.

    2. Richtig duschen
    Nicht zu lang und vor allem nicht zu heiß! Sonst werden wichtige Lipide unsere guten Mikroorganismen und deren Nährboden abgewaschen. Da der pH-Wert von Wasser ca. bei 7 liegt, wird der Säureschutzmantel bei zu langem Duschen irritiert und durch die aufgeschwemmte Hautbarriere verlieren wir Feuchtigkeit. Keime haben so freie Bahn. Jeden Tag zu duschen ist auch nicht gerade förderlich für unsere Hautflora. Lieber mal ein oder zwei Tage aussetzen und nur die Achselbereiche und Intimzone täglich sanft reinigen.

    3. Auf milde Reiniger setzen
    Mild bedeutet hier, dass das Reinigungsprodukt einen pH-Wert von 5,5-7 haben sollte. Außerdem sollten keine Duftstoffe oder künstliche Farbstoffe enthalten sein, um die Haut zu schonen. Unser Reinigungsöl reinigt beispielsweise besonders mild mit Zuckertensiden, die die Hautbarriere und Säureschutzmantel gründlich reinigen, aber intakt lassen.

    4. “Weniger ist mehr”
    Wer tagsüber kein Make-Up oder keine Sonnencreme trägt, muss abends nicht zwingend ein Reinigungsmittel für das Gesicht zur Hand nehmen, denn Wasser wäscht bereits Staubpartikel und sonstige Überreste des Tages ab. Wenn du dich aber schminkst, verwende am besten wie oben beschrieben einen milden Reiniger.

    5. Augen auf beim Produktkauf
    Schau am Besten bei der Auswahl deiner Produkte darauf, dass sie besonders schonend zur Haut sind. Auch auf den pH-Wert ist insbesondere bei Produkten zu achten, die täglich angewendet werden, wie Cremes oder Deos.


    Ganz schön viel, was unsere Haut tagtäglich für uns leistet. Ich hoffe, dass euch der Beitrag dir neue Infos gebracht hat und dir hilft, deine Pflegeroutine und -gewohnheiten zu bedenken. Pass auf dich und deine guten Bakterien auf!

    Quellen:
    https://www.omni-biotic.com/de/blog/das-mikrobiom-der-haut/
    https://www.aesthetico.de/blog/das-mikrobiom-bei-akne-und-co-falsch-besiedelt/
    https://von-lupin.com/das-mikrobiom-der-haut/
    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-312018/oekogemeinschaft-mensch/
    “This is your brain on food” – Uma Naidoo, MD (First Edition: 2020. Publisher: Little, Brown Spark)
    https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Bei-Akne-und-Neurodermitis-ist-die-Haut-falsch-besiedelt-232111.html

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