Die Erde brennt – Wie steht es um unser Klima?

Die Erde brennt – Wie steht es um unser Klima?

Klimawandel – ein viel verwendeter, bedeutungsschwerer Begriff. Es gibt noch zahlreiche weitere Bezeichnungen, wie Klimaveränderung und Klimawechsel. Aber was genau ist damit gemeint? Es geht um die weltweit auftretende Veränderung des Klimas auf der Erde – durch Abkühlung oder Erwärmung, letzteres passiert aktuell. Beides gab es schon seitdem es die Erde gibt und beides birgt große Risiken für Mensch und Umwelt, da die Ausmaße und Folgen nur sehr schwer einzuschätzen sind.

Was vermutlich hinlänglich bekannt ist: Es wird immer heißer und trockener, das Meereis in der Arktis und die Gletscher weltweit schmelzen, die Ozeane erwärmen sich, werden sauer und der Meeresspiegel steigt. Und das Ganze seit diesem Jahrtausend noch schneller als in den Jahrzehnten zuvor.
Und eines ist mittlerweile auch klar: Wir Menschen sind für einen bedeutenden Teil des Temperaturanstiegs verantwortlich. Das hat auch der Weltklimarat IPCC kürzlich in seinem neuesten Bericht über den aktuellen Stand der internationalen Klimaforschung bestätigt. Dieser Bericht untermauert die Zusammenhänge zwischen Extremwetterereignissen und dem Klimawandel wissenschaftlich.

Wer und was ist der Weltklimarat eigentlich?

Der Weltklimarat oder auch Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mit Sitz in Genf ist eine Institution der Vereinten Nationen, die regelmäßig den aktuellen Kenntnisstand zum Klimawandel zusammenträgt und aus wissenschaftlicher Sicht bewertet. Er bildet unterschiedliche Handlungsoptionen ab, ohne konkrete Lösungswege vorzuschlagen und setzt daher die Grundlage für wissenschaftsbasierte, politische Entscheidungen. Die Berichte gelten innerhalb der Wissenschaft als die glaubwürdigste und fundierteste Darstellung bezüglich des naturwissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Forschungsstandes über das Klima und seine Veränderungen.

Mitte August 2021 wurde der erste Teil eines sechsgliedrigen Berichtes über die aktuelle Klimalage veröffentlicht, auf den sich auch meine Aussagen in diesem Beitrag stützen.

Fakten zum Klimawandel

Fangen wir einmal grundsätzlich an: Was genau passiert durch die Erderwärmung, was steht dazu in dem Bericht und was bedeutet das für uns?


1. DIE WELT WIRD WÄRMER

Die Temperatur der Erde schwankt von Jahr zu Jahr, das ist klar, aber in den letzten 50 Jahren ist sie enorm angestiegen. 16 der 17 wärmsten Jahre überhaupt seit Beginn der Aufzeichnungen traten nach dem Jahr 2000 auf, die fünf wärmsten seit 2010. Seit 1977 – also seit mittler­weile vier Jahrzehnten – gab es auf der Erde kein Jahr mehr, das kühler war als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts.

In der aktuellen Diskussion wird oft von einer Erderwärmung bis “1,5 Grad Celsius” oder “deutlich unter 2 Grad” gesprochen. Was genau ist damit gemeint? Im Pariser Klimaabkommen von 2015 haben 195 Staaten unterzeichnet, die durchschnittliche Erderwärmung auf die eben erwähnten “1,5” bzw. “deutlich unter 2 Grad” zu begrenzen. Damit ist die Erwärmung seit der Zeit vor der Industrialisierung bis heute gemeint, also bevor wir Menschen durch Produktion und Fortschritt für einen erhöhten Ausstoß an Treibhausgasen gesorgt haben. Aktuell ist die globale Temperatur im Vergleich zu dem Zeitraum zwischen 1850 und 1900 um etwa 1,1 Grad Celsius gestiegen. Der IPCC-Bericht legt mögliche Szenarien für Folgen durch einen Temperaturanstieg dar. Ein sehr wahrscheinliches Szenario zeigt auf, dass wir den Anstieg um 1,5 Grad Celsius bereits bis 2030 erreicht haben werden statt erst zur Mitte des Jahrhunderts, wie bisher angenommen. Je nachdem, wie die Emissionen in den kommenden Jahren reduziert werden, gehen die Forschenden aber davon aus, dass wir die 1,5 Grad bis spätestens 2040 überschritten haben werden. Die Frage ist also längst nicht mehr, ob wir die Erderwärmung um 1,5 Grad noch aufhalten können, sondern wie lange wir sie hinauszögern und bei welcher Temperatur wir sie halten können.

2. DER KLIMAWANDEL IST MENSCHENGEMACHT

Laut des IPCC Berichts besteht jetzt kein Zweifel mehr an dem menschlichen Einfluss auf die Klimaerwärmung. Mittlerweile ist fast jedem klar: Kohlendioxid erwärmt den Planeten. Die globale CO2-Konzentration in der Luft ist seit Beginn der Industrialisierung um fast 50% angestiegen, der größte Teil davon seit den 1960er Jahren.
Zunächst wird natürlich versucht, eine natürliche Ursache für den Temperaturanstieg zu finden, aber keine kann den Wärmetrend der letzten 50 Jahre erklären. Die Sonneneinstrahlung schwankt natürlicherweise über einen längeren Zeitraum hinweg und Vulkanausbrüche können laut Klimaforschern einen Planeten mitunter sogar abkühlen. Nur CO2 und andere Treibhausgase zeigen einen stetigen Anstieg und sorgen dafür, dass weniger Wärme vom Planeten entweichen kann. Mehr als neun von zehn Klimawissenschaftler*innen sind sich sicher, dass unsere CO2-Emissionen die Hauptursache für die globale Erwärmung sind.

3. DAS EIS SCHMILZT RAPIDE 

Das arktische Meereis, ebenso wie Gletscher weltweit, schmelzen. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850 war die durchschnittliche Fläche des Meereises in der Arktis noch nie so niedrig wie zwischen den Jahren 2011 und 2020. Die Arktis hat sich schneller erwärmt als der Rest des Planeten und ihre Eisdecke ist dadurch kleiner und dünner geworden. Es ist ein Teufelskreis: Da das Sonnenlicht vom dunklen Meer absorbiert wird, anstatt vom Eis reflektiert zu werden, wird die Erderwärmung weiter beschleunigt.
Bis zum Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel um 90 Zentimeter oder mehr ansteigen. Das schmelzende Meereis ist allerdings nicht für den Meeresanstieg verantwortlich, denn es befindet sich ja bereits im Wasser. Das Eis an Land, also Berggletscher, sind das Problem. Ihr Abtauen ist für einen Anstieg der Meere verantwortlich, der bisher schon für verheerende Überschwemmungen in Küstenregionen gesorgt hat. Weltweit lebt 40 Prozent der Menschheit, etwa 2,8 Milliarden Menschen, weniger als 100 km von einer Küste entfernt – bis 2030 könnten es 50 Prozent sein. Für jeden Zentimeter Meeresanstieg geht bis zu einem Meter Küstenland ans Meer verloren. Dass hier akute Veränderungen im Gange sind, zeigt auch die Tatsache, dass es am höchsten Punkt des grönländischen Eisschildes, ​​3.216 Metern über dem Meeresspiegel, im August dieses Jahres, zum ersten Mal geregnet hat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bisher wurde hier nur Niederschlag in Form von Schnee gemessen.

4. DIE MEERE VERSAUERN 

Um bei den Meeren zu bleiben: Die Ozeane sind gigantische Kohlenstoffspeicher und nehmen erhebliche Mengen an CO2 aus der Atmosphäre auf. Sie enthalten aktuell schon rund 60-mal so viel Kohlenstoff (38.000 Gigatonnen) wie die vorindustrielle Atmosphäre. Dieser ständige Austausch zwischen Meer und Atmosphäre passiert allerdings zu langsam, bzw. wir Menschen stoßen zu schnell zu viel CO2 aus. Das Meer ist nicht mehr in der Lage, so schnell genug CO2 aufzunehmen. Hinzu kommt, dass die CO2-Speicherfähigkeit mit höheren Wassertemperaturen und sinkendem pH-Wert nachlässt. Ein weiterer Teufelskreis: Die Aufnahme von CO2 im Wasser bildet eine schwache Säure, die in ihrer Summe den pH-Wert sinken lässt. Hier spricht man von einer Versauerung der Meere. Seit Beginn der Industrialisierung ist der Säuregehalt der Meeresoberfläche um 30 Prozent gestiegen. Die Veränderung des pH-Wertes bringt auch Folgen für die Meeresbewohner mit sich, denn Phytoplankton, das erste Glied der marinen Nahrungskette, vermehrt sich in saurem Wasser nur sehr langsam. Auch die Kalkbildung, die die Korallen benötigen, wird durch die Versauerung der Ozeane beeinflusst.

5. DAS WETTER WIRD ZERSTÖRERISCHER 

Der Klimawandel macht Stürme und Dürren wahrscheinlicher und heftiger, insbesondere im Fall der Hitzewellen. Der Weltklimarat konnte sogar feststellen, dass sich die Anzahl der Extreme ungleich stärker entwickeln, als sich die Erde erwärmt. Teile der Erde könnten bis Ende des Jahrhunderts daher unbewohnbar werden – vor allem um den Äquator – und dafür sorgen, dass viele Menschen ihr Zuhause verlieren und fliehen müssen.
Ein Beispiel aus dem Bericht: Hitzeereignisse über Land, die so stark sind, dass sie im 19. Jahrhundert nur einmal in 50 Jahren stattgefunden haben, gibt es heute etwa fünfmal so häufig, also im Schnitt alle zehn Jahre. Erwärmt sich der Planet bis 2100 um 1,5 Grad, gäbe es ein solches Ereignis ungefähr alle sechs Jahre (8,6-mal wahrscheinlicher), bei 2 Grad etwas häufiger als alle vier Jahre (13,9-mal wahrscheinlicher). Und bei 4 Grad Erwärmung wäre es fast 40-fach wahrscheinlicher, heißt also: extreme Hitze im Prinzip jedes Jahr.

Die globale Erwärmung entzieht dem Land und dem Meer auch Feuchtigkeit, die sich in der Luft sammelt und Dürreperioden wahrscheinlicher und extremer macht. Niederschläge in Form von Regen oder Schnee können ebenso heftiger ausfallen, beispielsweise im Juli bei den Überschwemmungen in NRW, Rheinland-Pfalz und Bayern. Laut des IPCC-Berichts, werden Dürren besonders im Mittelmeerraum und im Westen Nordamerikas zunehmen, aber auch in West- und Zentraleuropa oder in vielen Teilen Afrikas. Lediglich im Norden Australiens könnten Dürren seltener werden. Für viele Regionen gibt es aber nur unzureichende Daten dazu.

Der Bericht befasst sich auch mit tropischen Wirbelstürmen, die laut den Forschenden in den Kategorien drei bis fünf in den vergangenen vierzig Jahren häufiger beobachtet werden konnten sowie ihre Bewegungsmuster verändert haben, die nicht durch natürliche Einflüsse erklärbar sind. Vielmehr erklärt der Bericht, dass solche Wirbelstürme, die während Starkregenereignisse auftreten und in dieser Kombination höchstwahrscheinlich an Intensität zunehmen, mit hoher Sicherheit auf menschlichen Einfluss zurückgeführt werden können.

6. TIERE UND PFLANZEN WERDEN BEEINTRÄCHTIGT

Das Klima erwärmt sich so schnell, dass die Evolution nicht hinterher kommt. Bereits jetzt stellen wir das Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten in Verbreitungsgebieten fest, die für sie mittlerweile zu warm sind. Das Artensterben ist der letzte Schritt. Und um beim schmelzenden Meereis zu bleiben: Der Rückgang des Eises treibt Walrosse zu Tausenden auf das Festland von Alaska zu. Die Meereserwärmung und in ihrer Folge die Versauerung der Ozeane führt außerdem zu weltweitem Korallenbleichen und Riffsterben.

Es wird natürlich auch Anpassungen geben: Buckelwale nutzen die neuen eisfreien Gewässer der Antarktis aus und auch Seeigel sind wohl widerstandsfähiger als gedacht – um nur zwei Beispiele zu nennen. Dennoch stellt sich die Frage, wie viele Arten sich an die neuen Umstände anpassen können und bis zu welchen Maximaltemperaturen?

Forscher*innen des Weltklimarats belegen, selbst wenn wir Menschen unsere Emissionen der Treibhausgase herunterfahren, werden wir erst deutlich später ein Ergebnis sehen, denn viele Veränderungen, die auf bereits vergangene und noch künftige Treibhausgasemissionen zurückzuführen sind, lassen sich über Jahrhunderte- und tausende nicht rückgängig machen, insbesondere Veränderungen der Ozeane, Eisschilde und des globalen Meeresspiegels.

Die Szenarien des IPCC-Berichts

Was genau sind denn die möglichen Temperaturentwicklungen? Der Bericht rechnet unterschiedliche Szenarien vor, die ich euch in aller Kürze vorstellen möchte.

Das für uns günstigste und gewünschte Szenario:

Würden wir den menschengemachten Ausstoß von Treibhausgasen radikal bereits in diesem Jahrzehnt, also bis Ende 2030, zurückfahren können, könnte es gelingen, dass die globale Temperatur im Vergleich zur Zeitspanne zwischen 1850 und 1900 um lediglich rund 1,5 Grad stiege. So wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Damit das zu schaffen ist, dürften laut IPCC nur noch 500 Milliarden Tonnen Treibhausgase in die Luft geblasen werden – bei aktuellem Ausstoß wäre die Menge schon in 13 Jahren erreicht. Leider deutet aktuell nichts darauf hin, dass die Emissionen so rasch und deutlich gesenkt werden könnten. Hier müsste die Politik handeln und einen geeigneten, verpflichtenden Maßnahmenplan vorlegen und umsetzen.

Die zwei pessimistischen Szenarien:

Der IPCC zeigt auch Extremszenarien mit CO2-Mengen in der Luft, bei denen sich der Treibhausgasausstoß für die Dauer von Jahrzehnten verdreifachen oder verdoppeln und weiterhin bis Ende des Jahrhunderts steigen würde. In diesem Fall würde sich die Erderwärmung auf vier bis fünf Grad erhöhen. Die Klimaforscher haben diese Szenarien jedoch zum Glück verworfen bzw. als unrealistisch eingestuft, da die Menschheit die Verbrennung fossiler Energien auf unrealistische Weise ausweiten müsste, um diese Extremszenarien zu erreichen.

Das optimistische Szenario:

In diesem Szenario beginnt der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen in diesem Jahrzehnt kontinuierlich kleiner zu werden und erreicht in den 2070er-Jahren den Nullpunkt. Damit ließe sich laut IPCC das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten. Die Menschheit dürfte nur noch gut 1300 Gigatonnen Treibhausgas in die Luft entlassen, was mit heutiger Menge nach 34 Jahren erreicht wäre.

Das realistische Szenario:

Die Entwicklung, die am realistischsten scheint, rechnet bis Mitte des Jahrhunderts mit einem weiteren Anstieg der Treibhausgas-Emissionen und um das Jahr 2070 mit einem allmählichen Rückgang. Dadurch würde es auf eine Erwärmung von knapp drei Grad im im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts kommen, also um weitere knapp zwei Grad mehr im Vergleich zu heute.

Bundestagswahl ist Klimawahl

Wie stark sich die Temperaturen erhöhen, hängt also von den CO2-Emissionen ab. Und klar ist: Je früher wir handeln, desto besser. Zugegeben, bei der prekären Faktenlage und angesichts der klimatischen Folgen, die die Erderwärmung bereits jetzt schon verursacht hat, stellt sich oft eine Hoffnungs- und Ratlosigkeit ein. Und ehrlich, mir machen diese Zustände auch oft Sorgen. Aber eben weil wir die Fakten nun kennen, müssen wir Handeln! Das optimistische Szenario ist nicht unerreichbar und eine ungebremste Erderwärmung durch unregulierten Treibhausgasausstoß stellt eine enorme Gefahr für Gesundheit, Wohlstand und Frieden weltweit dar. Wir müssen die Politik dazu zwingen, den Klimawandel ernst zu nehmen und die Rahmenbedingungen zu setzen, die es braucht, um dieses oder zumindest das realistische Szenario zu erreichen.

Am 26. September, also am kommenden Sonntag, ist Klimawahl und dein Kreuz entscheidet mit, ob und wie schnell diese so dringend benötigten Rahmenbedingungen zu nationalen und internationalen Reduktion von Treibhausgasen gesetzt werden.

Wir setzen unser Kreuz – für's Klima. Bist du dabei? 

Dein JUNGLÜCK-Team


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